Bäääääh, wie lecker!!!

(Ein Wort vorneweg zu den Fotos dieses Beitrags: Ich habe mich auf die Suche nach „Schönheit“ in der Küche und ums Haus gemacht…)

Sie sieht unglaublich leidensbereit aus, aber sympathisch, die kleine sehr, sehr dünne Frau mit den brav zurückgebundenen grauen Haaren und dem schmalen Gesicht. Auf Youtube ist sie gerade dabei, einen Smoothie zuzubereiten, von dem sie sagt, sie habe am Anfang davon würgen müssen, aber jetzt könne sie sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen. Tja. Ein Smoothie, der Würgreiz auslöst, aber halt tooootal gesund ist? Der entgiftet? Und von dem ich am Ende auch so eine zauberhafte schmale Taille bekommen werde? Und vielleicht sogar für immer geheilt sein werde von ME/CFS – geheilt, weil rückstandsbefreit? Wär´ das was für mich?

Die Frau ist eine „Jüngerin“ Anthony Williams, der sagt, ME/CFS sei eine Erkrankung, die durch Epstein-Barr-Viren ausgelöst werde. Auch die Schulmedizin hat übrigens EB-Viren im Blick als ME-Auslöser. Stress, aber unter anderem auch hormonelle Umstellungen, wie zum Beispiel in den Wechseljahren (so wie bei mir), ließen die Epstein-Barr-Viren sich vermehren, die auf Quecksilber stehen wie andere auf Gummibärchen, und mit denen 90% aller Erwachsenen in der westlichen Welt schon Kontakt hatten, meint William. Und da sei es nur logisch, dass man das Quecksilber aus dem Körper irgendwie raushauen müsse. Die Leber, die normalerweise fürs Entgiften zuständig ist und das auch super hinbekommt, sei leider durch Schwermetalle, Pestizide, etc., beim modernen Menschen arg geschwächt und brauche Unterstützung.

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Abdruck Teebeutel mitsamt Etikett auf Untertasse

 

Bei William habe ich auch gelesen, dass u.a. Gerstengraspulver und Spirulina-Algen die ganzen Quecksilber-Rückstände aus meinem Körper entfernen werden, die bei mir natürlich da sind, weil ich massive Amalgam-Füllungen in meiner Jugend eingebaut bekommen habe. Nichtsahnend habe ich mir das Zeug kommen lassen – hm, Gerstengraspulver riecht nach Heu, ich bin ganz angetan. Dann mache ich die Packung mit dem Spirulina auf und sofort wabert eine Wolke grünen Feinstaubs heraus, die unglaublich übel riecht. Ich mische zwei Teelöffel des Pulvers mit Wasser, so wie von William empfohlen – und fasse es einfach nicht, was für eine stinkende, giftgrüne Brühe da entstanden ist: Genauso gut hätte mir jemand vermodertes Teichwasser anbieten können, mit den Hauptnoten verrotteter Pilz und vergammelter Fisch… bah, wirklich, wer so was trinkt, hat doch mit dem Leben eh schon abgeschlossen, denke ich… Und das sage ich, die sich fast klaglos an den Geschmack von Jiaogulan-Tee gewöhnt hat, den Freunde, die nicht so leidensbereit sind, „Selbstmord-Tee“ genannt haben! Aber er war zumindest noch als Nahrungsmittel zu identifizieren…

Anthony William. Das ist nun wirklich Glaubenssache. Ein Freundin hat mir sein Buch „Mediale Medizin“ empfohlen und ich konnte es gar nicht aus der Hand legen, weil alles, sobald man sich auf die unglaubliche Geschichte, die er erzählt, eingelassen hat, einen Sinn ergibt: Er höre seit seinem vierten Lebensjahr eine göttliche Stimme, die ihm erzähle, wie es um die Gesundheit aller Menschen um ihn herum bestellt sei. Als erstes diagnostizierte die Stimme Lungenkrebs bei seiner Oma, die daraufhin erschreckt zum Arzt ging und feststellen musste: Der Vierjährige hat Recht. Lange Zeit sei es ihm lästig gewesen, besonders als Teenager, eine Zeitlang habe er sich aber auch für den tollsten Hecht im Teich deswegen gehalten – er erzählt mit so viel Offenheit, dass ich ins Grübeln kam: Was, wenn er Recht hat?

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Morgensonne auf der Schlafzimmerjalousie

 

Seine Erklärung für ME/CFS beißt sich nicht direkt mit der von Gupta – Stress spielt bei beiden eine entscheidende Rolle. Aber während Gupta Wert auf Entspannung legt, um die Stresshormone wieder ins Lot zu bringen, legt Williams Wert auf die richtige Ernährung, um das gestresste Immunsystem zu stärken – er empfiehlt z. B. auch, sich einen Entsafter zu kaufen und jeden Tag einen halben Liter Selleriesaft zu trinken. Boh, Selleriesaft… ich hab mir mal welchen aus dem Reformhaus geholt – sehr gewöhnungsbedürftig – und sauteuer: 200 ml kosten knapp acht Euro – aber ein Entsafter! Wer will schon 600 Euro für so ein Monsterteil, das die Hälfte meiner Arbeitsfläche in der Küche zustellen würde, ausgeben? Andererseits: Viel Obst und Gemüse, kein rotes Fleisch und Milchprodukte, kein genmanipuliertes Essen wie Soja, kein Zucker und kein Weißmehl, etc. – William ist ja nicht der Einzige, der das erzählt. Klingt eigentlich ganz vernünftig, finde ich. Und bei mir ist in der Richtung doch noch einige Luft nach oben…

Sein Buch erklärt seine ganz eigene Thesen zu den Gründen für die Krankheiten, die gerade in aller Munde sind: Borreliose, Hashimoto, Gürtelrose, Multiple Sklerose, Migräne, Depressionen und natürlich ME/CFS – und einiges mehr… Er hat Vorschläge für eine heilsame 28-Tage-Saftkur, für Meditationen und betont die hilfreiche Rolle, die Engel im Leben spielen können – wobei ich wirklich lachen musste, als er sagte, dass diese keinen Bock hätten, sich die ständigen Selbstgespräche der Menschen anzuhören und darauf zu warten, bis sie vielleicht irgendwann einmal das Wort an sie richteten – nein, wenn man möchte, dass die Engel wirklich helfen, dann muss man schon laut und deutlich mit ihnen reden – also, ich hab’s ausprobiert – ich finde, es hilft! Und ist deutlich angenehmer als Algen zu schlucken, die im brackigen Wasser vor Hawaii aus dem Meer gefischt wurden…

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Brezelabdrücke auf Backpapier

 

Die kleine Frau im Internet hat eine große Küche, in der ein Entsafter locker Platz findet. Leider habe ich noch nicht herausgefunden, an was genau sie gelitten hat. Aber richtig, richtig wie das pralle Leben sieht sie auch nicht aus… Ich überlege also noch und gebe solange das Rezept weiter, das sie von William hat für einen Smoothie, der den abgrundtief schlechten Geschmack von Spirulina vielleicht übertüncht:

2 reife Bananen

2 Tassen wilde Blaubeeren

1 Tasse Koriander

1 Tasse frisch gepresster Orangensaft

1 TL Gerstengraspulver

1 TL Spirulina

1 kleine Handvoll atlantische Dulse/Lappentang

 

Lappentang!! Das hört sich auch gar, gar nicht lecker an… Ich habe meiner Freundin Heidi, die sich auskennt mit allen Säuen, die gerade so durchs Dorf getrieben werden, von Spirulina erzählt und sie meinte lapidar: „Nur böse Geschmäcker killen Quecksilber. Die Story muss halt passen.“ Will sagen: Bös muss bös vertreiben. Aber sie habe es auch daheim… Tja, so ist das mit der Ambiguitätstoleranz, einer der Hauptqualifikationen dieser Zeit und besonders als interkulturelle Trainerin, als die ich vor meiner Erkrankung gearbeitet habe: Heutzutage muss man einfach Widersprüche aushalten können…

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Im Hof unseres Kaminbauers 

 

Leute, ich werde es ausprobieren und berichten. In letzter Zeit geht es mir energiemäßig eigentlich sehr gut, vielleicht eine Folge auch des Intervallfastens, das ich seit ca. 4 Wochen mache: Ich esse einfach nachts nichts. Super Idee, werdet Ihr sagen, wir auch nicht, weil, da schlafen wir! Jaha, aber bei mir dauert es 14 bis 16 Stunden, bis ich meinem Magen wieder etwas zumute. Am Anfang war ich ein bisschen benommen, wenn ich ohne Frühstück einen Spaziergang gemacht habe, aber es wird besser. Ein Kilo habe ich auch verloren. Sehr gute Blutwerte – bis auf Entzündungswerte – hatte ich erstaunlicherweise immer, da erwarte ich nicht die große Veränderung, die sich sonst wohl einstellt beim Intervallfasten. Aber es fühlt sich gut an, mal wieder richtig, richtig Hunger zu haben. Und dann zu merken: Oh, der geht ja weg, wenn ich einfach nichts tue. Dann kommt er irgendwann wieder und wenn ich dann etwas esse, esse ich mit noch größerer Leidenschaft als sonst… auch schön! Und was das Beste ist: In der Zeit, in der Essen erlaubt ist, darf man einfach alles essen – ohne schlechtes Gewissen, das mich seit meiner Jugend beim Essen begleitet! Das finde ich wunderbar…

Aber: Noch vor kurzem hätte ich nicht die Kraft dazu gehabt – und in meiner ganz akuten ME/CFS-Phase schon gleich gar nicht. Da darf man sich nicht überfordern, auch wenn man mit angucken muss, dass der Zeiger auf der Waage fröhlich nach oben klettert, weil man sich ja nicht bewegen kann – und Essen doch fast die einzige Freude ist, die einem noch bleibt…

Und gut, wenn ich das giftgrüne Zeug gar nicht runterbekomme, dann kann ich’s doch immer noch zum Ostereierfärben nehmen – das werden die allergrünsten Eier, die wir je hatten! Aber, gibt mein Sohn zu bedenken, „am Ende überträgt sich der Geschmack!“ Au weia. Dann lieber doch nicht.

Liebe Leser und Leserinnen, habt Ihr Erfahrung mit sowas? Das würde mich sehr interessieren!

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Granatäpfel: so schön – und gut gegen Epstein-Barr-Viren, sagt William

 

Und was gibt’s heute als Spaßprogramm, wie immer an dieser Stelle? Einen Nachtisch mit Kirschen, deswegen total gesund: Monchéris. Viele. Und zwar schnell, bevor die Sommerpause beginnt. Halt! Da ist Zucker drin! Ach, ich finde, auch hier gilt es Ambiguitätstoleranz zu zeigen und Widersprüche einfach … aufzuessen!

„Ich bin einfach, kompliziert, selbstlos, egoistisch, unattraktiv, schön, faul und voller Tatendrang.“

– Barbra Streisand –

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Wird Carola vielleicht ein normaler Mensch?

Ich räume auf. Seit Tagen. Ich kenne mich selbst nicht mehr. Ich gucke Videos im Internet von Marie Kondo, der zierlichen Japanerin, die aussieht wie ein süßes Püppchen, die´s aber knallhart drauf hat, das Aufräumen. ( Marie Kondo räumt auf ) Mit ihren Büchern und ihrer Netflix-Serie ist sie zur Zeit in aller Munde. Ich wage einen Blick in Fächer, in die ich seit Jahrzehnten immer nur Zeug reingestopft habe und selten etwas rausgeholt, miste aus, fahre zum Diakonie-Laden mit Bergen von Klamotten, mit Krimskrams und zur Bücherei mit Wäschekörben voller Bücher. Ich glaube fast… also… ich glaube fast, ich werde normal. So ein ganz „normaler“ Mensch, der Sachen kauft oder geschenkt bekommt, sie benutzt und wenn er sie nicht mehr schön oder nützlich findet und sie auch keinen sentimentalen Erinnerungswert mehr für ihn haben, dann einfach weggibt oder wegschmeißt.

Marie Kondo sagt: „Nimm die Dinge in die Hand – und wenn du dann keine Freude empfindest, dann tu sie weg“. Und sie sagt auch: „Bedank dich bei den Dingen, bevor du sie weggibst.“ Das finde ich super. Es kommt meiner verrückten Seite sehr zugute, die allen Dingen einen sentimentalen Erinnerungswert zuschreiben möchte – na ja, fast allen. Außerdem sagt sie: „Ehre das Haus, in dem du wohnst.“ Sie kniet sich tatsächlich hin, bevor sie aufräumt und erweist der Wohnung ihre Ehre. Das finde ich auch klasse.

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Gefühle spielen eine so große Rolle beim Aufräumen, habe ich gemerkt. Ich bin ein kleiner Messie. Kein so ein schlimmer, bei dem man sich in der Wohnung zwischen Gängen von Zeugs und Müll wie in einem Mäusebau den Weg bahnen muss und in dem die Spüle, ja, sogar die Betten nicht benutzbar sind, weil überall Zeug liegt. So schlimm beileibe nicht! Aber ich neige zum Sammeln, zum Horden, am liebsten Bücher und Zeitschriften… Und irgendwie habe ich eine große Zuneigung zu den armen Menschen, die nichts wegwerfen können. Ich kenne das, dass einem Dinge ein Gefühl von Sicherheit geben.

Ganz ehrlich, lacht nur, aber es gibt die Theorie, die sagt, wir seien zu früh aufs Töpfchen gesetzt worden, zu früh gezwungen loszulassen… Ich meine, wer weiß das schon? Vielleicht können nur verrückte Theorien „ver-rücktes“ Benehmen erklären… (Und verrückte Therapien können verrückte Krankheiten heilen! So, wie die Gupta-Therapie meine Krankheit ME/CFS heilt!) Oder auch, dass uns nicht genug gestattet war, unser Leben so zu gestalten, wie wir das wollten, so dass wir gar nicht das Gefühl entwickeln konnten von Selbstwirksamkeit, von: Ich kann meine äußere Umgebung beeinflussen und es ist wichtig und okay, was ich darüber denke und fühle. Ich muss das nicht anderen überlassen, die das angeblich besser können.

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Ich habe in letzter Zeit verstanden: Um gesund zu werden, sein Leben in die Hand zu nehmen, gibt es keinen anderen Weg, als sich erstmal radikal selbst anzunehmen – mit den Falten, den Spleens, dem Bäuchlein, der Krankheit … mit allem Unperfekten eben. Erst das, dann das andere. Es fiele mir nicht so leicht Dinge loszulassen, wenn ich mir jetzt selbst nicht Sicherheit geben könnte – durch Selbstannahme. Davon bin ich überzeugt. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich das für Leute, die damit kein Problem haben, völlig verrückt anhört. Für die Tüchtigen, die Zupackenden, die Macher… Die, die das Glück gehabt haben, entweder mit einem bestimmten Temperament geboren worden zu sein oder die dazu ermuntert worden sind, ihrem eigenen Urteil zu vertrauen und sich etwas zuzutrauen. Letzten Endes sind alle „Verrücktheiten“ nur die logische Folge von bestimmten Ausgangssituationen, glaube ich.

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Und wie bin ich dahin gekommen, dass ich plötzlich loslassen kann? Erinnert Ihr Euch an die Wildschweine? Die, die ich aus meinem Kopf verbannt habe? („Wildschweine in meinem Kopf“ vom Oktober 2018)  – An die entwertenden Stimmen, die mein Leben lang gesagt haben: „Du bist nicht gut genug, wenn du nicht perfekt bist“? In einer Sitzung bei meiner Verhaltenstherapeutin habe ich eine solche Wut auf diese Stimmen bekommen, die mich mein Leben lang geknechtet haben! All die vergeudete Lebenszeit! Das Aufschieben aus Angst vor unperfekten Resultaten! Das Ja-Sagen, obwohl mir viel mehr nach „Nein!!“ zumute gewesen wäre – all der Stress!!!!!. Nie mehr wollte ich das zurückhaben, nie, nie mehr. Und tatsächlich merke ich jetzt genau, wenn diese Stimmen sich wieder melden – immer, wenn ich anfange, scheinbar grundlos unzufrieden oder traurig zu werden, dann sind sie am Werk, machen alles schlecht, weil es angeblich nicht perfekt sei und wollen mich vor sich hertreiben. Aber nicht mehr mit mir! Ich sehe es jetzt immer deutlicher, wenn ich wieder an einem Scheideweg bin: Ich kann ihnen glauben und den Weg nehmen, der in die Selbstabwertung führt – oder ich glaube ihnen nicht und halte dagegen: Niemand muss perfekt sein. Perfekt ist überhaupt nicht mehr gefragt und war es übrigens auch noch nie. Verpisst euch, bevor ich die Treibjagd auf euch eröffne…

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Der Anlass für die Aufräumaktion ist übrigens, dass ich einen neuen Kleiderschrank bekomme; der alte ist kaputt. Der neue, ein antiker, der gerade noch hergerichtet wird, ist deutlich schöner, da er nicht zu wesentlichen Teile aus Pressspan besteht… (oh! drei „s“ in Pressspan! Ich liebe das! Fast hat man das Gefühl, heutzutage dürfe man so viele Buchstaben nehmen, wie man gerade Lust hat…) Aber mein Neuer ist auch deutlich kleiner – also muss ich loslassen… und stelle fest: Ich kann das. Bei manchen Dingen ist es allerdings nicht so leicht, vor allem bei Geschenken … aber im Prinzip kann ich das.

Es hat keine Würde, nach unerreichbarer Perfektion zu streben und sich dadurch fertig zu machen.

Es hat keine Würde, in einem Wust aus Zeugs zu leben.

Ich erobere mir meine Würde zurück.

Ich scheine ein normaler Mensch zu werden.

„Affirm with me: It is easy for me to change.“

„Bekräftige es mit mir: Es fällt mir leicht mich zu ändern.“

Louise Hay

Also, ehrlich gesagt: Leicht fällt es mir nicht! Und oft falle ich in alte Muster zurück! Aber auch da darf ich gnädig mit mir sein. Und man kann ja schon mal so tun, als ob… um den Respekt vor der großen Aufgabe zu verlieren…

Für das Spaßprogramm dieser Woche habe ich lange überlegt – aber mir ist einfach nichts Besseres eingefallen als: Ausmisten. Ich werde mich jetzt weiter ranmachen und eine kleine Extratour über meinen Schreibtisch machen, der seit Monaten nicht aufgeräumt wurde. Als ich noch sehr krank war, habe ich einfach alles, was ankam, darauf gelegt – ich hatte einfach nicht die Kraft. Aber jetzt hätte ich sie – ich muss es nur tun – erst die Bücher, sagt Marie Kondo, die darauf liegen, dann das Papier und daraufhin das „Verschiedene“, auch „Kruscht“ genannt… Ich habe ein bisschen Angst davor, aber ich freue mich auch drauf – und das ist so ziemlich das Verrückteste, das ich jemals von mir gegeben habe! Als Einstimmung können die, die des Englischen mächtig sind, ja mal gucken, wie Jimmy Kimmel sich so anstellt, wenn Marie Kondo zu Besuch bei ihm ist… Marie räumt bei Jimmy Kimmel auf – sehr lustig, finde ich…

Liebste Leser und Leserinnen – wie geht’s Euch mit dem Aufräumen? Was hilft Euch? Wo sind die Grenzen? Erzählt doch mal, vielleicht können wir uns gegenseitig motivieren! Ich bin sehr gespannt.

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PS: Die Fotos für diesen Beitrag habe ich im Winter gemacht, als es an manchen Tagen Raureif hatte. Ich liebe die Veränderung, die dadurch in der Natur entsteht – manche Konturen werden hervorgehoben, andere verschwinden – aber insgesamt werden die Dinge auch härter natürlich, die Blätter zum Beispiel. Kommt die Sonne wieder, tauen sie auf und dürfen entspannen – vielleicht ist es mit uns Menschen genauso: Manchmal tragen wir die perfekte Maske vor uns her, weil wir glauben, dass Perfektion von uns erwartet wird – aber entspannter sind wir und es geht uns besser, wenn wir loslassen, uns selbst die Erlaubnis geben so zu sein, wie wir in Wirklichkeit sind… und wenn wir ganz entspannt sind, dann funktioniert das mit der Fantasie und wir sehen sogar kleine Eisbären im Schnee…

Ich wünsche Euch eine sehr gute Zeit!

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So was von tüchtig: Die Eiligen Drei Könige

Am sechsten Januar, dem Dreikönigstag, waren die Heiligen Drei Könige bei mir zu Besuch. Die Sternsinger, meine ich, und eigentlich waren es die Heiligen Vier Könige – Caspar, Melchior, Balthasar und Janine. Und eigentlich die Heiligen Vier Königinnen, denn alle Herren waren dieses Jahr Damen.

Es war schon dunkel, wir waren der vorletzte Haushalt von 44 (!) an diesem Tag und sie waren durchnässt vom Dauerregen. Und erschöpft. Also eigentlich ein Zustand, den die Original-Könige bestimmt auch kannten. Und weil der Weg schon lang und beschwerlich gewesen war, sangen sie dieses Mal auch nur ein Lied, nicht drei oder vier wie sonst, die etwas Eiligen Drei Könige, wer mag es ihnen verdenken…  Da sangen sie also, mit ihren zarten Stimmchen, den großen Kinderaugen, ein bisschen schüchtern immer noch, auch nach 42 mal vorsingen. Vielleicht auch nur müde. Aber dafür begleitet vom Akkordeon, das auch ganz nass war. Sie wollten nicht mal mehr Süßigkeiten, bis auf Melchior, der ein Bounty nahm, aber sie sprachen uns den Segen zu, der wieder für ein Jahr reicht. Und sie erneuerten die Kreideschrift an unserer Haustür. 20 * C+M+B+ 19 steht da jetzt also. Christus Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus.

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Es rührte mich unendlich, wie sie da so standen im Schummerlicht des großen beleuchteten Sterns in unserem Flur: Eine hatte einen orangefarbenen Turban um den Kopf gewickelt, eine andere eine goldene Krone aufgesetzt, die dritte hatte sich mit Mutters Bräunungscreme die Gesichtshaut gefärbt, wahrscheinlich in der Nuance „Hawaiian Tropic“, mehr so eine natürliche Braunfarbe, tiefschwarz ist, glaube ich, nicht mehr politisch korrekt. Wie gesagt – es rührte mich so. Es wird jedes Jahr schlimmer mit mir – kennt Ihr das auch, dass Euch Eure Großmutter mit zitternder Stimme alles, alles Gute zum Geburtstag gewünscht hat? So eine werde ich auch mal, ich merk´s genau. Was soll’s. Ich hatte so eine Freude an dem immer gleichen Ritual und an der Bereitschaft der Kinder und ihrer beiden Begleiterinnen, diesen Tag der guten Sache zu opfern, für behinderte Kinder in Peru Spenden zu sammeln und Leuten wie mir auch noch eine Freude zu machen. So tüchtig. Und was auch sehr schön ist: Der 6. Januar ist mein Geburtstag. Jedes Jahr! Ein bisschen habe ich immer das Gefühl, sie kommen extra mir zu Ehren… Ganz uneitel.…

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Und jetzt dachte ich mir, diesen Segen, den wir an Dreikönig empfangen haben, gebe ich einfach an Euch weiter: Gottes Segen mit Euch, meine lieben Leser und Leserinnen, für jeden einzelnen Tag im Jahr 2019. Möge es ein gutes für Euch werden, an das Ihr Euch gerne erinnern werdet. Es wird Mühsal geben, wie in jedem Jahr, aber mögen die guten Momente, die mit den wunderbaren Erlebnissen und tiefen Begegnungen und auch die mit den kleinen, unerwarteten Schönheiten – wie zum Beispiel Buchstaben-Kerzen auf der Geburtstagstorte! – bei weitem überwiegen. Ein Stück weit liegt es ja immer an uns, worauf wir den Blick heften.

Und möge es uns gelingen, die schönen Momente zu genießen, ohne sie krampfhaft festhalten zu wollen und die nicht so schönen zu ertragen in dem Bewusstsein: Auch dies geht vorbei. Ein bisschen habe ich das gelernt durch ME/CFS, immerhin.

Weil die Sternsingerlein so müde waren, habe ich mich nicht getraut, sie zu fragen, ob ich ein Foto von ihnen machen und veröffentlichen darf – dafür hier eines von den güldenen, aufblasbaren (!) Geburtstagsbuchstaben, die ich dieses Jahr aus Paris von meinem Ältesten und seiner Freundin mitgebracht bekam! Ich finde sie super.

 

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Als Spaßprogramm dient mir wieder einmal der Schatz an Sprüchen meiner Kinder, als sie klein waren – buchstäblich eine Goldgrube: Als mein Ältester drei Jahre alt war, schaute er begeistert die Olympischen Winterspiele mit seinem Papa. „Gell, die Ersten bekommen Gold!“, sagte er einmal, „Ja, ganz genau! Und weißt du auch, was die Zweiten und Dritten bekommen?“ – „Hm – Weihrauch und Myrrhe?“

Güldene Zeiten wünsche ich Euch… alles Gute!

 

„Herr Janosch, wie verabschiedet man das alte Jahr?“ – „Am besten sehr deutlich. Wondrak etwa ruft am 31. Dezember aus dem Fenster: „Hinweg, hinweg, du altes Jahr!“ In der Regel versteht das Jahr und geht.“

Ein Bad im Walde – ohne Schaum, aber sehr schön…

Das Auto habe ich auf dem Waldparkplatz gelassen. Ich nehme den Weg auf die kleine Anhöhe, während ich mir noch den Mantel zuknöpfe und den Regenschirm aufspanne. Ich sauge tief die gute Luft hier ein: Manchmal riecht es im Wald feucht, so wie jetzt, weil es seit Stunden regnet. Manchmal nur frisch, und im Herbst hat es oft nach Blättern gerochen, was mich immer lecker an reife Birnen und Nüsse erinnert. Während ich gehe, fällt mein Blick auf meine braunen Wanderstiefel, die ich über alles liebe. Sie sind aus Leder, riesig und mit ihnen wage ich mich, wie mit treuen Freunden, in jedes Schlammloch und in jede Pfütze auf den Waldwegen, so wie jetzt. Es macht „pling-plinge-di-ding-ding“ auf meinen Schirm und überall auf den Blättern, den Ästen und dem Waldboden. Eine kleine Wassermusik aus Tropfenperlen.

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Hier gibt es Stellen, an denen hauptsächlich Buchen mit ihren glatten Stämmen wachsen, dann wieder Orte mit knorrigen Eichen, vorne an der Kreuzung viele Kiefern, die ich so mag, weil jede mit ihrer wolkigen Baumkrone anders aussieht und oben am geraden Weg stehen junge Birken, die mit ihren weißen Stämmen weithin leuchten.
Ich setze einen Fuß vor den anderen, immer weiter. Und irgendwann kommt der Moment, der eigentlich immer kommt, wenn ich im Wald bin, mal früher, mal später: Ich tue einen tiefen Seufzer. Einen Atemzug der Erleichterung, ein Aufatmen. „All drama remains on stage“ steht angeblich am Abgang jeder englischen Bühne, „Das ganze Drama bleibt auf der Bühne“ – der Wald ist für mich der Ort, wo die kleinen und großen Dramen meines Lebens draußen bleiben. Im Auto, auf dem Parkplatz, oder schon auf dem Weg dahin, lasse ich sie. Natürlich kann ich nicht jeden Gedanken an das, was mich gerade beschäftigt, abstellen und das muss ich auch gar nicht. Aber ich gewinne mit jedem Schritt, den ich tue, Abstand. Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich das wieder kann, was ich mit akuten ME/CFS-Symptomen gar nicht konnte: Im tiefen Wald spazieren gehen, ja, sogar wandern.

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Bewegungsmenschen wie ich, die sich mit Meditation schwer tun, haben hier ihr Refugium: Nicht zu viele Reize und trotzdem gibt’s was zu sehen, zu jeder Jahreszeit etwas anderes, so dass unser neugieriger Geist ein bisschen beschäftigt ist, aber nicht zu sehr – und rumtappen ist ausdrücklich erwünscht… Erst vor kurzem faszinierten mich die bunten Blätterteppiche, die um die Bäume lagen, wie Auslegeware, jeder in seiner ganz eigenen Mischung.

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In Japan schicken sie seit einigen Jahren gestresste Städter in den Wald zum „Waldbaden“ – „Shinrin Yoku“ heißt das. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich so vor mich hingehe, immer wieder stehen bleibe, um eine Baumkrone zu bewundern oder den sich plötzlich orange färbenden Abendhimmel zwischen den Ästen, weil der Regen aufgehört hat, oder wenn ich dem Gesang der Vögel lausche und dem „Krah-Krah“ der Krähen in der Ferne, oder wenn ich Rehe sehe, erst eines, dann noch eines, wie sie den Weg vor mir kreuzen – oder auch wenn ich vor einer mächtigen Buche stehe und ein nie gekanntes Gefühl der Ehrfurcht mich packt, so dass ich nur ganz langsam wage näher zu treten: Nicht ich bade im Wald, sondern der Wald badet mich. Fürsorglich greift er nach mir, nach meinem Arm, meinem Körper, wischt sachte mit einem großen weichen Schwamm über mich, wäscht mir sanft den Kopf, poliert mir ein bisschen die Nase und die angelaufenen Stellen, so lange, bis sie wieder glänzen … und reinigt meine Seele. Die vor allem. Immer, wirklich immer, mache ich mich mit einem wohligen Gefühl auf den Heimweg. Neu beherzt. Ermutigt und erleichtert. Ich bin dem Wald zutiefst dankbar, dass er wie eine liebe Mama für mich sorgt, ohne Eigennutz, nur auf mein Wohlergehen bedacht.

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Und einmal im Jahr kommt der Wald zu mir nach Hause: An Weihnachten, wenn wir einen Christbaum aufstellen. Dann muss eine arme Nordmanntanne dran glauben und keine winzige noch dazu, denn hier gilt: Mehr ist mehr. Das ist ungefähr so, wie wenn man behauptet, Tiere zu lieben und doch kein Vegetarier ist… Das Leben steckt voller Widersprüche. Ich auch. Aber den Tannenbaum im Haus genießen wir sehr! Der Duft! Die Lichter! Wir haben immer echte Kerzen am Baum… und Strohsterne und all den altmodischen, geliebten Kram. Morgen wird er aufgestellt, was in der Regel immer eine mittelschwere Krise auslöst. Aber dann, wenn er einigermaßen gerade steht: Die Erleichterung! Die Wiedersehensfreude über die altbekannten Engelchen und Krimschen und Krämschen … und dann immer wieder die gleiche Frage: Darf Carola ihre ungezählten Filz-Rotkehlchen und anderen Vögelchen an den Baum hängen?? (Im Ernst: Was ist ein Baum ohne Vögel??) Bisher durfte sie jedes Jahr wieder. Aber die Diskussionen wurden heftiger. Mal sehen, was dieses Jahr passiert… Drückt mir die Daumen.

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Und jetzt: Spaßprogramm! Erst hatte ich mir überlegt, ein Quiz zu machen und Euch zu fragen, was sich hinter dem lateinischen Namen Abies alba verbirgt oder Abies nordmannina… oder etwas ähnlich wahnsinnig Spannendes… aber jetzt will ich doch viel lieber ein Anti-Quiz machen: Denn der Geist der Weihnacht, des Nichts-Leisten-Müssens, des Einfach-so-Angenommen-Seins soll auch in diesem Blogbeitrag herrschen… und deswegen: Wenn Ihr sagt: „Ach, Bäume sind mir eigentlich gar nicht so wichtig, ich bin schon froh, wenn ich einen Weihnachtsbaum von einem Maibaum von einem Wunderbaum unterscheiden kann“ – dann meldet Euch! Jede/r bekommt einen wunderschönen, von mir höchstpersönlich gewaltfrei zusammengebäbbten  weißen, großen Papierstern! Und meldet Euch auch, wenn Ihr Bäume so liebt wie ich! Ihr könnt das entweder tun, indem Ihr unter dem Titel des Beitrags auf „Kommentare“ klickt oder mir über das Kontaktformular in der Menüleiste Bescheid gebt. Ich bin gespannt!

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Und dann muss ich Euch noch was erzählen: Erinnert Ihr Euch an die Zystengeschichte vom Sommer, mit den erhöhten Tumormarkern, wo sie mir im Krankenhaus nicht nur eine Zyste rausnehmen, sondern auch gleich beide Eierstöcke entfernen wollten? Meine Intuition sagte damals ganz klar: Das machst du nicht! Da warten wir schön ab und heilen uns derweil selbst, indem wir uns vorstellen, dass diese Zyste verschwindet. So habe ich mir ein Lied ausgesucht, „Put your records on“ von Corinne Bailey Rae, in dem es heißt: „Three little birds sat on my window and they told me not to worry“… (Put Your Records On,  hier der Link dazu) , habe dazu getanzt, oft, und mir vorgestellt, wie ich High Five mit meiner Gynäkologin mache, weil sie nichts mehr findet und welche Gefühle von Erleichterung und Dankbarkeit mich dann fluten werden – solange, bis ich diese Gefühle schon spüren konnte. (Nichts anderes als das, was das Gupta-Programm auch sagt.) Letzten Montag hatte ich also den Termin zum Nachschauen – die Ärztin macht das Licht aus, so dass es stockdunkel ist, damit sie den Monitor mit den Bildern des Ultraschallgeräts besser sehen kann, fährt auf meinem Bauch herum, hin und her und sagt irgendwann: „Ich finde nichts! Alles weg! Na, man kann sich auch mal positiv überraschen lassen!“ Oh ja, in der Tat!! Und genau, wie ich mir das hundertmal vorgestellt habe, lasse ich meine ausgestreckte Hand in die ihre klatschen und dann wird es in dem dunklen Zimmer ganz hell in mir und Erleichterung und Dankbarkeit fluten mich… ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, halleluja! Gott ist groß! Amen!
Friedliche, fröhliche, gesegnete Weihnachten für Euch und einen guten Rutsch! Ich hoffe, Ihr könnt Euch diese Zeit irgendwie so einrichten, dass Ihr sie ein bisschen genießen könnt. Vielleicht habt Ihr frei, vielleicht sogar zwischen den Jahren… und Zeit für ein Bad im Walde… Alles Gute!

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“I went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived.“

„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; ich wollte mich nur den wesentlichen Tatsachen des Lebens gegenüber sehen und schauen, ob ich nicht lernen könnte, was es mich zu lehren hatte, denn ich wollte nicht, wenn es ans Sterben ginge, feststellen, dass ich gar nicht gelebt hatte.“
– Henry David Thoreau (1817-1862)

Wildschweine in meinem Kopf

Mein Feind ist widerborstig, gibt nur blöde Grunzlaute von sich und zu allem Übel stinkt er wie Sau. Und er wohnt direkt in meinem Kopf.

Das wurde mir klar, als ich vor ein paar Wochen einen Rückfall hatte. Erst wollte ich es gar nicht wahrhaben – so wie gestern, als ich einen Spaziergang bei schönstem Sonnenschein machte und auf abschüssigem Terrain auf jeder Menge Eicheln ausrutschte – sie funktionierten wie kleine Transporteurchen unter mir; jede einzelne begann unter meinem Gewicht nach unten zu rollen und ich rutschte einfach mit. Während ich fiel – kennt Ihr das? – gab es diese eine Millisekunde, in der ich mich fragte: „Echt jetzt? Du fällst doch nicht wirklich?“ – und genauso war es auch mit diesem Rückfall, als ich zwar Halsschmerzen hatte, aber der Schnupfen ausblieb (typisch!), ich dafür aber so unglaublich erschöpft war, dass ich zwischen Bankbesuch, Post und Supermarkt jeweils 10 Minuten ins Auto sitzen und mich ausruhen musste. Dazu kamen diese speziellen Kopf- und Rückenschmerzen… „Echt jetzt? Du hast doch nicht wirklich einen Rückfall?“

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Ich hatte gedacht, dass mich das nie wieder einholen würde. Ein halbes Jahr lang war ich praktisch ME/CFS – symptomfrei, musste halt noch körperliche Kraft und Nerven aufholen, kämpfte dauernd mit allen Arten von Entzündungen und Infekten, aber ansonsten… Auch wenn die Symptome nach ca. zwei Wochen wieder vorbeigingen und sie auch nicht besonders ausgeprägt waren – ich war und blieb frustriert darüber. Eigentlich abgrundtief frustriert. Und dieses Gefühl ging überhaupt nicht mehr weg, was mich noch mehr nervte.

Bis ich anfing, den Stimmen in meinem Kopf Gehör zu schenken. Jeder hat ja verschiedene Stimmen im Kopf, ängstliche und mutige, frohe und trübsinnige, wütende und besänftigende – mal gewinnen die einen, mal die anderen die Oberhand, je nach Situation und Gewohnheit. Irgendwann stellte ich mithilfe meiner Verhaltenstherapeutin fest: Es sind die abwertenden Stimmen, die sich gerade lautstark melden: „Mann, wie blöd kann man sein! Wieso hast du das nicht kommen sehen, wieso tappst du immer in die gleiche Falle?? Du mit deiner dummen Sensibilität, du bist ja gar nicht lebensfähig…“, etc., etc. . Richtig, richtig miese Stimmen – bis die Therapeutin sagte: „So sind Sie nicht auf die Welt gekommen. Kein Kind spricht so über sich. Diese Stimmen musste man erst in Sie einpflanzen.“

Diese Aussage hat mir unglaublich gut getan. In diesem Moment spürte ich: In mir ist ein lebendiger, unversehrter, gesunder Kern, der schon immer da war, vor aller Zeit, aus dem ich es fließen lassen kann. Und diese Abwerter im Kopf, die sich wie Wildschweine unter aller Sau benehmen – denen glaube ich ab heute nicht mehr!! Als ob es nicht schwer genug wäre – dann kommen die auch noch daher, verbreiten ihre schlechte Laune und ihren üblen Geruch! Die haben ab jetzt hier kein Habitat mehr! „Haut ab, ihr blöden Schweine! Stinkt woanders herum!! Ich kann auf euch verzichten!!“

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Es ging mir so viel besser danach. Richtig erleichtert fühlte ich mich, befreit wie lange nicht mehr. Und dann kam ein anderes Gefühl hervor, das sich hinter dem Frust verborgen hatte, so dass ich es gar nicht spüren konnte – die Traurigkeit. Ich war auch unglaublich traurig darüber, dass sich mein Heilungsprozess nun wieder verzögert. Gupta sagt ja, und bisher hat er in allem Recht behalten, dass man erst ein halbes bis ein ganzes Jahr sich richtig fit fühlen sollte, bevor man wieder einen stressigen Job annimmt. Nun verschiebt sich wieder alles nach hinten. Das machte mich sehr traurig. Und zeitweise ängstlich: „Was, wenn es nie mehr wird?“

Und jetzt? Akzeptier ich’s halt. Kann jetzt eh nichts mehr dran ändern.

Nur immer besser lernen auf mich aufzupassen. Mein Glaube daran, dass ich wieder zu 100% gesund werde, ist zurück – dieser kleine Rückfall ist etwas ganz Normales! Ich sollte mich viel mehr dafür loben, wie selten mir das passiert und sehen, wie lang der Genesungsweg ist, den ich schon gegangen bin. Es ist ein anstrengender Weg, Rückschläge sind normal. Aber ich kann wieder joggen gehen, meinen Haushalt machen, wandern, Rad fahren, tanzen!! Und das, nachdem ich ein Dreivierteljahr lang praktisch bettlägerig war! Das ist eine Leistung und ein Wunder gleichermaßen, ich bin so dankbar dafür. Und auch dafür, dass ich wieder Waldspaziergänge machen kann, die ich so liebe… Und wenn ich da mal ein Wildschwein treffen sollte, ich erwürg´s mit meinen bloßen Händen, ich schwör.

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Das Spaßprogramm für heute besteht aus einer einzigen Übung: Stellt Euch doch mal hin, wenn Ihr mögt, jetzt gleich, aufrecht, auf Zehenspitzen, hebt die Hände nach oben, so weit wie´s geht und versucht zu lächeln – falls das nicht geht, einfach die Lippen auseinander ziehen, auch wenn sich das total doof erstmal anfühlt.

Na, wie war´ s?

Die aufrechte Haltung und das Lächeln soll gegen schlechte Laune helfen! Das Gehirn denkt: „Oh, schön, Siegerpose – wir müssen was gewonnen haben! Glückshormonausschüttung hochfahren, bitte!“ Und so hilft´s auch gegen saublöde, widerborstige Stimmen im Kopf…

Liebe Leser und Leserinnen – kennt Ihr solche Stimmen auch? Oder gar nicht? Was tut Ihr dagegen, falls ja? Das wäre sehr spannend zu hören – danke schon mal!

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Das heutige Zitat ist ziemlich lang, aber dafür umso schöner… Ich habe es von meiner lieben Tochter, die es von einer Freundin hat, der wiederum es von ihrem Musiklehrer gegeben wurde…

Man muss den Dingen die eigene,

stille, ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt

und durch nichts gedrängt oder

beschleunigt werden kann,

alles ist austragen und dann gebären.

Reifen, wie der Baum, der seine Säfte

nicht drängt und getrost in den Stürmen

des Frühlings steht. Ohne Angst, dass

dahinter kein Sommer kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,

die da sind, als ob die Ewigkeit vor

ihnen läge, so sorglos, still und weit.

Man muss Geduld haben,

mit dem Ungelösten im Herzen und versuchen

die Fragen selber lieb zu haben, wie

verschlossene Stuben und wie Bücher, die

in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht,

allmählich, ohne es zu merken, eines

fremden Tages, in die Antworten hinein.

– Rainer Maria Rilke –

 

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Habt und macht es ganz gut, Ihr Lieben!

„Mein Magen traut sich das!“

In mir ist ein großes schwarzes Loch, ein Strudel, der sich nach innen schraubt, vom Magen ausgehend, immer weiter und weiter, und weil er so unbarmherzig schraubt und schraubt, tut nicht nur der Magen weh, sondern auch die Arme und die Beine – und der Kopf. Aua. Nicht schön. Ich kenne dieses Gefühl schon von früher, vor ME/CFS – Magenschleimhautentzündung. Irgendwie hört es einfach nicht auf, jede Woche kommt etwas Neues zu meinen zahlreichen Wehwehchen dazu, so dass ich jetzt schon lachen muss, wenn sich wieder etwas meldet… und dann bin ich wieder total frustriert. Ich wäre so gerne einfach mal wieder gesund.
Dann liege ich bei meiner Heilpraktikerin mit dem schönen Namen Frau Lux („Lux = Licht“ – sie heißt tatsächlich so!) auf dem Schragen und mit ihren magischen Händen berührt sie einen bestimmten Punkt an meinem Bein – und mir fällt es wie Schuppen von den Augen: Nein, ich habe nicht nur zu anhaltend meinen Bauch eingezogen, wie ich mir einreden wollte – das große Loch darinnen kommt daher, dass ich gar nicht wahrnehmen wollte, wie weh es tut, dass vor kurzem nicht nur meine Tochter, sondern jetzt auch noch mein jüngster Sohn ausgezogen ist. Montag ist er ausgezogen, Mittwoch war ich krank. War ein bisschen viel auf einmal und ich wollte es einfach gar nicht spüren, aber so läuft das nicht im Leben. Das lerne ich wieder einmal.

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Wenn ich an ihn denke, sehe ich ihn am Esstisch sitzen, freundlich lächelnd mit gebeugtem Kopf, das Gesicht fast verborgen unter einer Mähne aus dunkelbraunem Haar – er hat überschulterlanges Haar, stark gelockt, das ihm aber irgendwann einfach über den Kopf gewachsen ist – zumindest ist das die mütterliche Interpretation: Er hat vor über einem Jahr aufgehört es zu kämmen und daher ist sein Haupt zu einem einzigen Rastazopf geworden – flächendeckend, von einem Ohr zum anderen, von der Stirn bis über den Nacken. In der Abizeitung wurde ihm die Auszeichnung „Kreativste Haarpracht“ zuteil… Kritik oder erstaunte Blicke jucken ihn da aber gar nicht – er bleibt, wie immer, die Ruhe selbst – nach außen zumindest… Und deswegen will ihn auch gerne jeder dabei haben, wenn es um Umzüge, Einkaufen oder ähnliche praktische Dinge geht, die gerne mal in Stress ausarten – weil er einfach durch seine gutgelaunte, hilfsbereite Art eine so freundliche, beruhigende Präsenz hat.

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Bei Familienfesten sagt er kaum etwas, es sei denn, er wird gefragt. Dann antwortet er bereitwillig, wortgewandt und oft witzig – mit einer unglaublichen Bassstimme, hinter der man einen 120-Kilo-Hünen vermuten würde, dabei wiegt er nicht einmal die Hälfte – und freundlich, so wie das seine Art ist. Schon als Baby hat er immer so speziell nett gelächelt, wenn ich an sein Bettchen kam, auch wenn er vorher geschrien hatte – und geschrien hat er viel, meine Güte, es graust mich, wenn ich an sein erstes Jahr zurückdenke. Er war das, was man als „Schreikind“ bezeichnet, wobei ihn ja nicht die geringste Schuld trifft, das war mir immer klar. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich ihn an einem heißen Sommertag auf dem Arm hatte, in „Fliegerleposition“, mit meiner Hand unter seinem Bauch – als ob das jemals etwas gegen dieses vermaledeite Bauchweh genützt hätte – und uns im Spiegel betrachtete: Er hatte damals nur einen kleinen Haarkranz, dazu einen ausgeprägten Specknacken – und er schrie und schrie, wie ein verzweifelter kleiner alter Mann. „Was wird nur aus dir, mein Kind?“, dachte ich damals, selbst total verzweifelt – und müde, oh, so müde… „Alles wird gut!!“, könnte ich heute meinem jüngeren Selbst zurufen, „ja, es ist kaum auszuhalten, für euch beide, aber warte nur – aus diesem Kind wird der süßeste Lockenkopf mit wunderschönen blauen Augen, der dir noch so viel Freude bereiten wird! Halte durch! Es lohnt sich!“

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Und tatsächlich: Irgendwann konnte ich ihn auf die Arbeitsplatte in der Küche setzen und dann begann das gute Leben: Er interessierte sich für alles, was es da zu tun gab, schnippelte mit zwei Jahren seine erste Gurke mit einem richtigen Messer – es ist nie etwas passiert! – roch begeistert an den Gewürzen, die ich ihm unter sein feines Näschen hielt – Zimt, Curry, Kardamom – und überraschte uns, als er vier Jahre alt war, mit seinem ersten völlig allein und selbstständig hergestellten Pfannkuchen! Und heute? Wenn man will, dass die Salatsoße richtig gut wird, dann muss man sie ihn machen lassen. Er hat einen ausgeprägt guten Geschmacksinn und auch einen Sinn für Details beim Kochen… Und es gibt tatsächlich eine Sache, die ihm so richtig, aber wirklich richtig, seine ansonsten gute Laune verderben kann: schlechtes, lieblos zubereitetes Essen!

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Die ganze Nachbarschaft hier hat große Hoffnungen auf ihn gesetzt, dass er Sternekoch werden und uns alle verwöhnen würde, aber er hat eine noch größere Leidenschaft: Maschinen. Auch das war von Anfang an klar, als er zum Beispiel zu seinem 2. Geburtstag auf Korsika eine Playmobil-Müllabfuhr geschenkt bekam und er die ganze Heimreise über dieses Müllauto wie ein Heiligtum auf seinen Knien hielt. Durch ihn habe ich sämtliche Landmaschinen kennengelernt – wusstet ihr, dass es Maishäcksler und Kartoffelroder gibt??
Keines meiner Kinder hat die Schule zeitweise so gehasst wie er, dabei war er ein ganz guter Schüler – es gab später sogar eine Belobigung beim Abitur – trotzdem, als Zehnjähriger fand er:

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Jetzt wird er also Mechatroniker, da gibt es genügend Maschinen in seinem Leben… „Mama, ich will jetzt endlich mal was mit meinen Händen arbeiten!“, hat er nach dem Abi zu mir gesagt. Bestimmt hat er dabei ähnliche Erfolgserlebnisse wie immer an Weihnachten, wenn er und seine Kumpels, die einen Landrover fahren, im Wald eine 20 m-Tanne fällten und dann im Schulhof aufstellten als Weihnachtsbaum… oder wenn sie freudig alte Kühlschränke ausmisteten und auf den Wertstoffhof warfen… oder, wie letztens, viele, viele Kilo Pflaumen im Garten eines Freundes ernteten, um Mitternacht, mit Autoscheinwerfern und Baulampen als Beleuchtung, bis ein Nachbar kam und fragte: „Klauet Ihr da etwa??“

Es ist alles gut. Er ist glücklich mit dem, was er tut und genau so soll es sein. Nur ein kleines, dummes Mutterherz will seine Babys nicht so schnell ziehen lassen – 18 Jahre, was ist das schon?? Ein Wimpernschlag!! Aber vorerst kommt er jedes Wochenende heim und das ist prima – und weil da auch die anderen gerne kommen, ist die Bude voll und das freut die Eltern – und ganz ehrlich: Vormittage, ganz allein zu Hause verbracht, an deren Ende keiner ein Mittagessen von einem erwartet, haben doch auch viel für sich…. also, wie gesagt: alles ist gut. Und der Magen ist auch schon viel, viel besser. Aber dieses Hinschauen und Hinspüren und alte Fotoalben angucken und die Bücher, in denen ich aufgeschrieben habe, was die Kinder so gesagt und gemacht haben, als sie klein waren – das hat es dazu gebraucht. Den Schmerz wahrzunehmen, damit man ihn loslassen kann. Damit er kein schwarzes Loch mehr in den Bauch macht.

Ein Baum lässt seine Früchte los, wenn sie reif sind; ein Vater seine Kinder, wenn sie groß sind.
Antoine de Rivarol (1753 – 1801)

Dieses Zitat, das natürlich auch für Mütter gilt!, berührt mich – wahrscheinlich, weil unser Apfelbaum dieses Jahr mit seinem Jahrhundertsommer so viele, rote, süße und saftige Früchte wie noch gar nie trägt. Jeden Tag lässt er welche los, die ich dann im Gras aufsammle… Sie sind ein Traum und ich fühle mich überreich beschenkt dadurch. Ich profitierte also sehr davon, dass mein Baum sie zur rechten Zeit hergibt. Ab jetzt wird er mir ein Sinnbild fürs Loslassen sein, das ich von meinem Essplatz aus sehen kann. Wie schön.

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Als Spaßprogramm teile ich mit euch ein paar der Dinge, die ich in meinen Büchern fand:
Paul, 4 Jahre, hat gerade Schaukeln gelernt und er ist so stolz! Er ruft: „Mama, schau mal in mein Gesicht! Schau mal, ich lach! Schau mal, ich hab gar keine Angst mehr!“ Ein paar Tage später: „Mama, frag mich mal, ob ich Angst hab!“ – „Hast du Angst, Paul?“ – „Ja, innen drin zittert´s.“ – „Und du traust dich trotzdem?“ – „Ja, mein Magen traut sich das.“
Als er ein Buch anschaut, das ich geschrieben hatte, enttäuscht: „Da sind ja gar keine Bilder, da ist ja nur Gelese drin!“

Den widerstrebenden Ältesten habe ich ein Jahr lang zur musikalischen Früherziehung geschleppt, mit der mittleren Tochter, die auch keine Lust hatte, habe ich es nur bis Weihnachten durchgezogen, aber Vorschulkind Paul soll die gleichen Chancen haben wie die anderen auch, nicht, dass es später mal Vorwürfe hagelt. Also sitzen wir nach den Sommerferien in einem stickigen Raum mit lauter anderen Fünfjährigen, die am ersten Tag sämtliche ausgelegten Instrumente durchprobieren dürfen – Klanghölzer, Xylophone, etc. Am Ende soll jedes Kind malen, welches Instrument ihm am besten gefallen hat. Und Paul malt – einen Mähdrescher. Ich melde ihn direkt wieder ab.
Paul, 7 Jahre: Seine große Schwester leuchtet ihm mit einer Taschenlampe in die Augen: „Hör auf, davon wird man sehkrank!“
Paul wird von seiner Patentante mit ins Kindermusical genommen – „Worum ging’s denn da, Paul?“ – „Weiß nicht, irgendwas mit Rumpelstäbchen…“
Paul, 8 Jahre: Er fragt, was es mit dem Stoffbeutelchen mit den „Sorgenpüppchen“ auf sich hat, die er irgendwo gesehen hat. Wir erklären, dass man abends den Püppchen seine Sorgen erzählt, man sie dann unters Kopfkissen legt und am nächsten Morgen sind die Sorgen weg. Er lächelt in sich hinein und sagt dann: „Na ja, so funktioniert das ja nicht. Aber es erleichtert einen.“
Und da hat er doch mit seinen acht Jahren schon was Wesentliches verstanden: Man muss seine Sorgen erzählen, weil das erleichtert. Und dazu muss man sich dessen erst mal bewusst sein, was einen bedrückt. Und dann kann sich der Magen auch wieder was trauen… ansonsten gibt’s eine Magenschleimhautentzündung… Mögen wir alle das nie mehr vergessen.

Was macht Ihr denn, liebe Leser und Leserinnen, um Euch zu erleichtern? Was ist Eure Lieblingsstrategie? Ich bin sehr gespannt auf Eure Kommentare. Ich wünsche Euch eine sehr gute Zeit; vielleicht entdeckt Ihr ja auch irgendwo hingebungsvoll tanzende Bäume wie ich letzte Woche… Tanzen erleichtert übrigens auch, so viel steht fest!

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Carola will sich auswechseln – und dann wieder doch nicht

Warnung: Dieser Beitrag kann Spuren von Selbstmitleid enthalten!

Ich will mich austauschen. Gegen eine neue Carola, eine taufrische, nagelneue Zweitcarola. Gegen eine, die nicht jede Woche irgendein neues Wehwehchen hat – und schon gar nicht ME.

Manchmal findet man sich selber so was von doof, kennt Ihr das?

Vorletzte Woche zum Beispiel: Dass ich mit einem entzündeten Zeh (seit April) und Finger (seit Mai) zum Abiball meines jüngsten Sohnes würde gehen müssen, war ok – auch wenn ich dadurch keine eleganten Schuhe anziehen können würde. Ich war einfach nur froh, dass ich überhaupt dabei sein konnte! Am Abend davor, als mein Sohn und ich einen Couscous-Salat für das Event vorbereiteten, hatten wir viel Spaß in der Küche. Ich hatte so gute Laune wie schon lange nicht mehr, weil ich mich auf das Fest freute und so stolz war auf meinen Sohn. Wir hörten laute Musik, während wir Petersilie und Dill schnippelten, lachten und scherzten – bis ich am Ende feststellte: Der Salat sieht ja so langweilig aus – ihm fehlt die rote Farbe – oh nein, ich habe das Tomatenmark vergessen! Wie hatte mir das nur passieren können!? Wie krieg ich das jetzt wieder hin?

Und plötzlich spüre ich einen drückenden Schmerz im linken Auge – als ich in den Spiegel schaue, erschrecke ich total: Da, wo bis vor zwei Minuten Weiß im Auge gewesen war, ist jetzt nur noch eine einzige, tomatenmarkrote Fläche! Es müssen einige Äderchen geplatzt sein vor Aufregung – ich sehe aus wie Dracula höchstpersönlich! Zum Fürchten!

Zum Schreck kommt noch der Ärger: Da macht man sich Gedanken über ein schönes Kleid und ein passendes Täschchen, Schuhe oder was auch immer – ein Abiball ist heutzutage ja eine wahnsinnig edle Geschichte geworden – und dann muss man mit einem Monsterauge da hin gehen! Außerdem passt blutrot überhaupt nicht zu einem magentafarbenen Kleid! Ich finde mich vom Schicksal dermaßen benachteiligt…

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Und letzte Woche war ich bei der Frauenärztin – „Ich rate Ihnen dringend eine Zweitmeinung zu dieser Zyste einzuholen! Vielleicht muss man eine Bauchspiegelung machen. Die Tumormarker waren ja auch leicht erhöht! Ich mache gleich einen Termin für Sie im Krankenhaus aus!“ Das ist nicht das, was man hören möchte, gar nicht. Auch wenn Zysten in meinem Alter völlig normal sind – ich mache mir doch Sorgen. Und eine Bauchspiegelung ist ja nicht wie eine Magen- oder Darmspiegelung – da wird der Bauch aufgeschnippelt, damit man reingucken kann… mit meinem schlechten Immunsystem keine schöne Vorstellung… Jetzt muss ich da nächste Woche hin – und wenn es nichts Schlimmes ist, wovon ich einfach ausgehe, dann werde ich so schnell keine Sch… – Vorsorgeuntersuchung mehr machen. Dann ist das schon das fünfte oder sechste Mal, dass irgendetwas gefunden wurde, das sich hinterher als harmlos herausgestellt hat, und darauf habe ich keinen Bock mehr – auf die ganze Angst immer und die mühsam zu bekämpfende Aufregung. Das ist genau das, was ich nicht brauchen kann mit meiner Vorgeschichte.

Oder ich tausche mich einfach aus – gegen eine Zweitcarola. Den gleichen Körper nochmal, bitte, nur in gesund. Jetzt warte ich also auf Angebote…

In der Zwischenzeit biete ich Euch Spaßprogramm an: Hier kommen einige Fotos von Korsika, wo wir im Juni waren…

 

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Es war wieder so schön, auch weil: Korsika riecht so gut. Ausgesprochen gut. Nicht nach Bananen, wie Panama, oh nein, viel besser: Nach Macchia – nach einer Mischung aus Lavendel, Rosmarin, Thymian, Curry-Kraut und noch viel, viel mehr – Napoleon hat ja gesagt, dass er seine Heimat allein am Duft erkennen würde und wer schon mal auf Korsika war, der weiß: Das ist keine besondere Leistung. Dieser Duft ist so wunderbar und so allgegenwärtig und so unverwechselbar…

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Wenn wir morgens um 7 Uhr in Bastia ankommen, an der Reling der Fähre stehen, und die Sonne scheint schon auf Korsikas zweitgrößte Stadt, mit dem breiten Platz und den Palmen darauf, auf dem wir gleich in „unserem“ Café frühstücken werden – und sie scheint auch auf die macchiabewachsenen Berge dahinter und von diesen Bergen weht dann der Macchia-Duft aufs Meer – dann habe ich jedesmal Tränen in den Augen: Ich darf wieder hier sein! Ich hab’s tatsächlich wieder hierher geschafft. Dieses Jahr, Anfang Juni, haben wir den Trip schon zum 12. Mal unternommen!

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PS: Mittlerweile war ich im Krankenhaus: Eine bizarre Erfahrung. Nicht nur, dass mein Termin um 10 Uhr zweimal vergeben worden war, so dass ich eine Dreiviertelstunde warten musste, nein, auch die junge Ärztin, die da saß, hatte offensichtlich überhaupt nicht vor mich nochmal zu untersuchen: „Wissen Sie was, diese Zyste machen wir raus. Und… wie alt sind Sie jetzt? Schon 52? Ach, da brauchen Sie doch den Eierstock, der da dran hängt, auch nicht mehr – den holen wir am Besten auch raus. Und damit Sie auf der sicheren Seite sind, entfernen wir den anderen auch gleich mit. Dann haben Sie von der Seite ganz sicher keinen Ärger mehr.“ – „Was??“, entfährt es mir – es liegt mir auf der Zunge zu sagen: „Haben Sie etwa jetzt, gegen Ende des Monats, noch nicht die Fangquoten für Eierstöcke erfüllt??“ Es ist ja eine Tatsache, dass in manchen Krankenhäusern vorgegeben ist, welche Anzahl von OPs pro Monat gemacht werden müssen, damit das Ganze sich rentiert – aber ganz so unfreundlich will ich dann doch nicht sein und sage nur: „Also, ich dachte, ich komme hierher, damit abgeklärt wird, ob ich überhaupt eine Bauchspiegelung brauche!“ Daraufhin sagt die Schwester: „Das hier ist das OP-Vorbereitungsgespräch, wussten Sie das nicht?“ – „Nein!!“, sage ich „das wusste ich überhaupt nicht! Ich bin so was von überrascht und fühle mich total überrumpelt!“

Ich versuche der Ärztin zu erklären, was es für jemanden, der ME hat, bedeuten kann, eine OP mitzumachen – sie hat natürlich noch nie etwas von dieser Erkrankung gehört. „Aber das ist doch nicht so schlimm – wenn alles gutgeht, sind die meisten unserer Patienten zwei Tage hier und nach 14 Tagen sind sie wieder einigermaßen fit.“ Soso, wenn alles gut geht… ich bin aber nicht wie die meisten. Ich bedanke mich, stehe auf und gehe.

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Dass die neuen Ergebnisse der Tumormarker völlig unauffällig sind, dass die Zyste in vier Wochen fast um die Hälfte geschrumpft ist, dass Zysten eigentlich das Normalste der Welt sind – das interessiert hier alles nicht. Bei einem Gespräch mit meiner Frauenärztin kommt raus, dass sie eigentlich wirklich nur einen Termin mit einer Oberärztin vereinbaren lassen wollte. Irgendetwas muss da schief gelaufen sein – hallo, wenn die Leute Termine doppelt vergeben und dann auch noch an die falschen Leute – wer weiß, was da noch so falsch läuft… Ich bin raus!

In drei Monaten sehe ich meine Ärztin wieder, haben wir ausgemacht. Ich bin sicher, bis dahin habe ich diese Zyste nicht mehr und zwar ganz von alleine – aber dafür meine Eierstöcke noch. Und meine Gebärmutter! Und die Gallenblase und die Milz! Ist ja eigentlich auch alles Zeugs, von dem man gar nicht so richtig weiß, wozu man das alles hat und macht im Zweifelsfall nur Ärger!

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Nun bereue ich, was ich am Anfang des Beitrags so selbstmitleidig geschrieben habe. Mein 52jähriger Körper tut mir leid und mein Kampfgeist ist erwacht. Hat diese 30 Jahre junge Ärztin mit ihren sicher bestens rotierenden Eierstöcken eine Ahnung! Meine armen „alten“ Eierstöcke produzieren ja noch Hormone – ich habe, im Gegensatz zu leider all meinen Freundinnen, keinerlei Wechseljahresbeschwerden – da haben die beiden guten Teilchen doch auch ihren Anteil daran! Wer weiß, was passiert, wenn sie fehlen! Wir sind ein eingespieltes Team, seit vielen Jahren schon, haben sie mir doch drei wunderbare Kinder beschert und auch sonst nie Probleme gemacht.

Ich betrachte sie und meinen ganzen Körper jetzt viel liebevoller. Wir gehören doch zusammen, alle Teile von uns. Never change a winning team! Wir werden einfach noch mehr als sonst die wunderbaren Sommertage genießen, entspannen – und gesunden. Darauf einen Caipi!

 

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„Wer den größten Teil seines Lebens gewohnheitsmäßig klagt, übellaunig sich selbst bejammernd Orgien der Missstimmung feiert, vergiftet sich das Blut, ruiniert die Gesichtszüge und verdirbt rettungslos seinen Teint.“

– Prentice Mulford (1834-1891) –

 

Ihr Lieben, was habt Ihr für Erfahrungen mit Vorsorgeuntersuchungen gemacht? Geht Ihr hin – oder ignoriert Ihr das? Waren sie schon mal hilfreich?

Macht´s ganz gut, bis bald!

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Die Jugend sieht nicht mehr gut – und zieht zu Billy Boy

Vor ein paar Wochen stand ich mit zwei großen Taschen an der Fußgängerampel. Brav wartete ich auf Grün, aber nur, weil neben mir eine Mutter stand, die einen Zweijährigen an der Hand hielt. Man muss ja ein Vorbild sein. Plötzlich hörten wir, wie sich Sirenen näherten. „Aua, laut!“, meinte der Kleine. Er schaute mich an, während er mit seinen Händchen seine Ohren bedeckte und sagte: „Oma auch!“ Ich musste lachen, aber trotzdem: wie uncharmant! Das war das erste Mal in meinem Leben, das mich jemand Oma nannte!

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Keine halbe Stunde später kam ich vom Tanken. Mit mir verließ eine junge Frau, die eine blondgelockte Einjährige auf dem Arm hatte, die Tankstelle. Die Kleine strahlte mich an und winkte mir zu – so süß! Ich winkte zurück. Dann schaute sie mich intensiv an und sagte fragend: „Mama?“ Die Frau, die das Mädchen trug, lachte und meinte: „Nein, das ist doch nicht deine Mama!“ Daraufhin guckte das Kind enttäuscht und startete einen zweiten Versuch: „Papa?“ Da die Mutter schon den Raum verlassen hatte, bekam ich ihre Antwort nicht mehr mit, aber für mich steht fest: Die Jugend von heute sieht nicht mehr gut. Liegt bestimmt am ungezügelten Gebrauch von Smartphones, Tablets, Computern und dem ganzen digitalen Rest. Allerdings könnte es natürlich auch sein, dass das Kind nur wissen wollte: „Du, Frau – bist du auch eine Mama?“ – „Ja, mein Schatz“, hätte ich dann geantwortet, „ich hab´ sogar drei Babys – von denen das mittlere Ende der Woche auszieht.“ Meine einzige Tochter, mein Fröschlein, mein Schnuffelchen, 20 Jahre, zieht aus. Damit ist von meinen Dreien nur noch der Jüngste zu Hause.

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Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ihr müsstet mal sehen, wie sie strahlt, wenn man sie darauf anspricht, dann könntet auch Ihr nicht anders als euch mitzufreuen – sie hätte eigentlich schon zum Wintersemester letzten Jahres ausziehen wollen, aber es gab einfach keine Zimmer in der Großstadt in unserer Nähe und auch mit ihrer Gesundheit haperte es. Jetzt hat es endlich geklappt. Eine Dreier-WG in einem Altbau! Mit Balkon! Nur 10 Minuten mit dem Rad bis zur Uni! Und nur vier Häuser von einer ihrer besten Freundinnen entfernt! Und: bezahlbar! So viel Glück auf einmal.

Und auf der anderen Seite… Die Trips zum Drogerie-Markt, die wir in gutgelaunter Frauen-Gemeinschaft unternommen haben, einmal pro Monat, werden so wohl nicht mehr stattfinden. Die abendlichen, gemütlichen Besuche in unseren jeweiligen Zimmern, bei denen wir uns über Gott und die Welt und die Bücher, die wir lesen, ausgetauscht haben… Wie oft kam sie rein und sagte: „Mama – das Buch XY soll toll sein, das will ich mir kaufen – kennst du das?“, und ich ging ans Regal und hatte es schon da… Unheimlich, fast! Die vielen selbstverständlichen Gelegenheiten sich zu treffen, beim Essen, im Bad, etc., bei denen wir uns oft schlapp gelacht haben, weil wir einen so ähnlichen Humor haben, dass wir uns nur angucken müssen oder einen Halbsatz aussprechen und schon gibt’s kein Halten mehr… So wie gestern zum Beispiel: Gefragt, worauf sie sich am meisten in der Großstadt freue, sagte meine Tochter: „Das wird super!! Wenn ich Lust auf Sushi habe, zum Beispiel – dann kann ich mir das in 10 Minuten einfach holen!“ – worauf sie kurz inne hielt – und mir eine Bemerkung auf der Zunge lag – aber sie hat die Pointe selbst gebracht: „Und dann schaue ich in meinen Geldbeutel und stelle fest: Ich hab gar kein Geld für Sushi!“

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Dabei können wir uns auch zoffen, so ist es nicht! Aber genau das schätze ich auch an meiner Tochter: Bei ihr, bei diesem Kind, dessen erstes Wort „Nein!“ war, weiß man sofort, woran man ist. Ich kann unmöglich all ihre weiteren tollen Eigenschaften aufzählen, aber sie macht, dass die Welt ein besserer Ort wird. Sie war mit gerade mal 18 in der Türkei, um dort in Flüchtlingslagern zu helfen, die vom UNHCR nicht erreicht werden. Sie ist letztes Jahr sechs Wochen allein durch Indien gereist und danach hat sie ihre gesamte Zeit und Energie in ein politisches Projekt gesteckt. Nun hat sich dort, wo sie jetzt wohnen wird, eine öffentliche Diskussionsplattform etabliert, bei der alle zwei Wochen die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, um sich über unser aller Zukunft auszutauschen. Sie hat gleichermaßen Herz wie Verstand. Das finde ich super.

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Als ich 2016 so krank mit ME/CFS war, dass ich nichts im Haushalt machen konnte, hat sie jeden Samstag eingekauft und Staub gesaugt ohne zu murren – wie die anderen auch. Sie war die Erste, die immer wieder gesagt hat, auch als noch gar nichts klar war: „Mama, du wirst wieder gesund. Daran zweifle ich keine Sekunde.“ Ihr Vertrauen hat mir unheimlich gut getan. Im April haben wir den ersten Mutter-Tochter-Urlaub zusammen gemacht, am Bodensee – am Anfang haben wir uns gleich mal richtig gezofft, aber danach lief´s super. Die Fotos, die Ihr dieses Mal seht, stammen von dort… Alles, was sie macht, macht sie mit Herzblut, mit Sensibilität, mit Empathie und mit viel gesundem Menschenverstand. Sie hat einen wachen, beweglichen Geist – und sie ist schon so weise, dass ich glaube, dass sie eine ganz alte Seele ist…. (Und psssst! Bildhübsch ist sie auch noch und sie hat einen tollen Style, aber das darf man heutzutage nicht mehr sagen, weil Äußerlichkeiten sind nicht so wichtig, nicht in ihren Kreisen, Ihr versteht… ) Mit anderen Worten: Sie ist einfach perfekt. Wie übrigens alle meine Kinder und das sage ich mit der 100 prozentigen Objektivität, die das Kennzeichen eines Mutterherzens ist, wie jeder weiß…

Es fällt mir nicht immer leicht loszulassen, ich geb’s zu. Aber weise, wie meine Tochter ist, hat sie mir schon die passenden Worte zugesteckt – das war, als ich vor ein paar Wochen die Gürtelrose hatte. Da gab sie mir ein Kärtchen…

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This too shall pass – auch dies vergeht. Zigmal hat mir dieser Spruch seither schon geholfen – Gürtelrose? This too shall pass. Entzündung im Zeh ist zurückgekehrt? Auch dies vergeht. Mesut Özil lässt ein Foto mit Erdogan machen??? Oh Gott, das ist hart – aber: This too… Nee! Das kann ich ihm nicht verzeihen…!! Aber: Abschiedsschmerz? Ja, auch das vergeht. Aber er wird wiederkommen … und dann wieder vergehen…

Und ich bin sicher: Sie wird ihren Weg gehen. Als sie vier Jahre alt war, hat eine Freundin gesagt: „Um die brauchst du dir keine Sorgen zu machen! Sie wird alles hinkriegen und wenn sie beschließt Lehrerin zu werden, wird sie Direktorin, so viel steht fest!“ Delegieren können, das Kennzeichen einer jeden guten Führungskraft, hat sie schon drauf – seit Jahren bin ich es, nicht sie, die den Urban Jungle, die vielen Pflanzen in ihrem Zimmer, versorgt… Als sie auf Bali war, drei Monate, um Kindern Englischunterricht zu geben, oder in Indien, hab ich das aber sehr gerne getan – es war eine Gelegenheit ihr in ihrem Zimmer nahe zu sein, auf eine Art etwas für sie zu tun und ihr gute Wünsche und liebevolle Gedanken zu schicken… So wie ich das jetzt auch tue. Meine allerbesten Wünsche sind mit ihr bei ihrem langersehnten Schritt ins neue, aufregende Studenten-Großstadtleben… Und ein paar ihrer Pflanzen bleiben ja noch hier, in ihrem alten Kinderzimmer… so dass ich noch was zu tun habe… Und auf die Geschichten aus dem Großstadt-Dschungel freue ich mich jedenfalls auch schon sehr…

Alles, alles Liebe und einen guten Start für Dich, mein Schatz!

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PS: Schnuffelchen, ähm – so gerne ich kleine Kinder habe – mit dem Oma-Werden hab ich’s in deinem Falle aber noch gar nicht eilig, ok??? Da fällt mir ein: Im neuen WG-Klo hängt ein riesiges Plakat mit Werbung für Billy Boy-Kondome – (O-Ton: „Wo steckst du denn schon wieder?“) – ach, also, wie gesagt: Um dieses Kind muss ich mir keine Sorgen machen…

PPS: Schätzchen, du weißt, wo unser Haus wohnt. Sushi machen wir… sehr, sehr selten. Aber es gibt manchmal Kartoffelsalat. Und offene Ohren und offene Herzen voller Liebe für dich, weißt du? Immer. Für alle Zeit und Ewigkeit.

Loszulassen ist auch eine Form von Liebe.

– unbekannt –

 

Richard Linklater hat 2014 einen ganz wunderbaren Film (Spaßprogramm jetzt wie immer an dieser Stelle!!) zum Thema gemacht namens „Boyhood“. Über 12 Jahre wurde gedreht, in denen aus dem kleinen Jungen Mason, der von Ellar Coltrane gespielt wird, ein junger Mann wird, der schließlich von zu Hause auszieht. In 12 Jahren passiert viel, die (fast) ganz normalen Freuden und Dramen  einer alleinerziehenden Mutter werden gezeigt, dementsprechend ist der Film fast drei Stunden lang – aber als ich ihn zum erstenmal sah, war ich wie festgeklebt auf meinem Kinosessel und dachte immer: Das gibt’s doch nicht – die Dialoge! – saßen die bei uns zu Hause unterm Sofa oder im Auto und haben alles mitgeschrieben? Nach den drei Stunden, in denen ich fasziniert war, die Entwicklung von Mason und seiner Schwester, die sich ja im richtigen Leben auch von kleinen Kindern zu jungen Erwachsenen veränderten, mitzuerleben und ich so mit den Personen mitgefiebert hatte, kam ich in die Realität zurück und wusste: Das ist einer der besten und besondersten Filme, die ich je gesehen habe. Spannend, mitreißend, lustig und auch herzergreifend… Und hier kommt der Trailer…

Boyhood – Trailer

Es lohnt sich! Auch Patricia Arquette als Mutter und Ethan Hawke als Vater, der sich langsam wandelt, sind einfach unglaublich gut…

Eine letzte Frage hätte ich noch: Wie geht es Euch mit dem Loslassen? Was hilft Euch? Bis ganz bald, Ihr Lieben!

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Solange der Motor noch da ist, ist alles gut!

 

„Oh!“, ruft meine Ärztin und weicht einen Schritt zurück, als ich mein Hemdchen lupfe, um ihr die Rötung an meinem Bauch zu zeigen, „das braucht ja auch kein Mensch!“ Ach, denke ich, so schlimm? Fahre ich jetzt direkt in die Grube? „Gürtelrose!“, sagt sie. Ich mag meine Ärztin, sehr sogar, aber solche Ausrufe machen mir ein ähnlich schlechtes Gefühl, wie wenn mein Automechaniker die Motorhaube aufmacht und ruft: „Sieht gaaaaar nicht gut aus!“ – obwohl ich doch genau sehe, dass der Motor noch da ist!! „Bekommen Leute, die gestresst sind oder die ein schlechtes Immunsystem haben“, meint sie. Ja, bin ich, hab´ ich, weiß ich doch. Ich dachte allerdings immer, als mein Schwiegervater das mal hatte, dass das eine Krankheit von alten Leuten sei und ich, natürlich forever young, deswegen quasi immun…

Willkommen im Club der alten Dichter, sage ich mir, als ich vor der Apotheke stehe, um die geforderten Medikamente zu holen. Ich merke, dass es mir vor dem Arztbesuch gar nicht schlecht ging, untypischerweise habe ich gar keine Schmerzen! Aber jetzt bin ich fix und fertig, und ich weiß: Es ist nur wegen dieses einen Worts und der damit verbundenen Assoziation von langwieriger Krankheit – „Gürtelrose“. Und auf genau diese Reaktion von mir habe ich keinen Bock.

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Letzte Woche lag ich tagelang nur im Garten, weil ich einen entzündeten Zeh hatte, der hochgelagert und gekühlt werden musste. Ich war dermaßen angepisst, einen ganzen wunderschönen sonnigen Nachmittag lang, an dem die ersten rosa Knospen des Apfelbaums sich zeigten, die Amseln zwitscherten, es ungeheuer gut duftete – und ich all das gar nicht genießen konnte, nur weil ich mir Schreckensszenarien ausmalte, was für schlimme Blutvergiftungen, etc. sich da entwickeln könnten. Diesmal will ich es besser machen. Und ich weiß auch schon, wie: Wegen des Zehs habe ich endlich ein Buch angefangen, das schon lange auf dem Stapel der zu lesenden Bücher lag: „Warum Gedanken stärker sind als Medizin – Wissenschaftliche Beweise für die Selbstheilungskraft“, Penguin Verlag, 10 Euro, von der amerikanischen Ärztin Lissa Rankin. Entspannung, Entspannung und noch mal Entspannung, ist wichtig, sagt sie. Nur ein Körper, der nicht von Stresshormonen geflutet wird, kann sich selbst heilen. Und wenn er nicht davon geflutet wird, dann kann er Heilung richtig gut! Das ist sein Kerngeschäft sozusagen!!

Nun bin ich ansteckend und darf eine Woche nicht unter Leute. Gerade in letzter Zeit habe ich mich besonders gestresst gefühlt. Und jetzt, wo ich nicht schnell mal ein Brot holen kann oder dies und das erledigen, gerne auch mehrere Termine auf einen Tag legen kann, merke ich auch, warum: Ich mache schon wieder viel zu viel. Ich muss mir endlich eingestehen, dass ich gerade in letzter Zeit ganz oft schlecht geschlafen habe, und „außer Atem“, mit einem Klopfen und einem kribbeligen Gefühl in der Brust aufgewacht bin von dem vielen Zeug, das ich nachts geträumt habe. So kann das nicht weitergehen. Ich merke, so leid es mir tut: Die Quarantäne tut mir gut.

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Rankin sagt, dass natürlich nicht jede Krankheit gleich gut auf Entspannung anspricht – aber da, wo es auf eine gute Immunantwort ankommt, wie bei Krebs oder Infekten z. B., da ist sie erwiesenermaßen wichtig – und auch bei Krankheiten wie Magengeschwüren, Herzinfarkten, Burn Out oder anderen, die durch Stress ausgelöst werden. Wie bei ME/CFS – man weiß ja nicht so viel, aber es gilt als gesichert, dass die allermeisten, die damit krank werden, lange Phasen von Stress in ihrem Leben davor durchgemacht haben. So wie ich.

Ich kann wirklich nur jedem raten: Lest dieses Buch! Es hat mir für so vieles die Augen geöffnet, was ich an dieser Stelle gar nicht alles aufzählen kann. Und auch, wenn Ihr skeptisch seid: Genau für eine skeptische Klientel ist dieses Buch geschrieben worden. Ich habe zum ersten Mal richtig verstanden, dass ich nicht für irgendjemanden meditiere, der mich dafür loben soll, und dass ich es nicht gut machen muss – ich mache es für mich und es ist egal, wie „erfolgreich“ ich dabei bin, Hauptsache, ich finde mich jeden Tag dafür ein. Ich mache Entspannung jetzt zur Chefsache, der ich alles andere unterordne. Anders kann ich nicht gesund werden. Ich google also nicht lange nach „Gürtelrose“ und vor allem, als ich etwas von „Lähmungen“ lese, höre ich sofort auf. Ich sage „Stopp!“, wie Gupta empfiehlt, jedesmal, sobald ich merke, dass ich Angst bekomme. Ich lese den Beipackzettel für das antivirale Medikament nicht weiter, als die Liste mit den Nebenwirkungen anfängt – und vertrage es bestens. Und jetzt sind schon 10 Tage rum und die typischen Schmerzen sind einfach nicht aufgetaucht – hurra!!

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Und was Rankin auch wichtig ist: Entspannung ist schön und gut, aber wenn du nicht die tieferliegenden Sorgen oder Glaubenssätze, die dich so stressen, durchleuchtest, dann wirst du nicht so weit kommen mit deiner Heilung, wie du könntest. Auch da bin ich dran – durch die kognitive Verhaltenstherapie, die ich mache und die Cranio-Sakral-Therapie. Ich mache gute Fortschritte. Ich ersetze zum Beispiel meine stressigen Glaubenssätze durch „Ich darf in Ruhe gesund werden.“

Und wenn ich Euch, meine lieben Leser und Leserinnen, etwas raten darf: Fangt Ihr bitte nicht erst damit an, wenn es schon fast zu spät ist – ja? Versprochen?

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„Wer sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht.“

– Bettina von Arnim –

Gibt’s eigentlich noch Spaßprogramm? Ja! Letztens konnte man eine kleine, blonde Frau, die alt genug war, um Gürtelrose zu bekommen, beobachten, wie sie an einem Bächlein erst nach links, dann nach rechts schaute und als sie sich unbeobachtet wusste, einen Schritt in die Mitte des Bachbetts tat, wo ein großer flacher Sandstein lag. Dort stellte sie sich auf ein Bein, breitete beide Arme aus und versuchte sich an einer wackligen Standwaage, umspült vom Wasser… Sie hatte keine Ahnung, warum sie das tat, aber man sah ihr an, dass es ihr ein spitzbübisches Vergnügen bereitete, sich so dem Impuls dieses Augenblicks hinzugeben… sie tat es, einfach, weil sie es konnte… einfach, weil sie es wieder konnte…

Und jetzt kommt Euer Spaßprogramm: Auf welche kleine Verrücktheit habt Ihr Lust, die Ihr Euch jetzt einfach mal gönnt – nur so, aus Jux und Tollerei?? Eurer lieben Freundin mit Straßenmalkreide ein großes rotes Herz vor die Tür zu malen? Fünf Kugeln Schlumpf-Eis auf einmal zu essen? Ohne Handy aus dem Haus zu gehen (oder ohne BH?) – oder einen anderen Heimweg zu nehmen, als Ihr es jemals getan habt? Hauptsache, Ihr lächelt, wenn Ihr daran denkt. Euch fällt so viel ein! Und ich bin so gespannt… Ich würde mich so freuen, wenn Ihr es mit uns teilt! Danke jetzt schon dafür!

Und bitte: Passt gut auf Euch auf.

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Woouuuhooouu! „Ein neues Leben“ ist preiswürdig!

Nein, es ist keine 6000 Köpfe zählende Jury gewesen, bestehend aus Hollywood-Granden wie bei den Oscars, sondern viel besser: Es war Fay von „madebyfay“, die meinen Blog „Ein neues Leben“ für den „Versatile Blogger Award“ nominiert hat! „Versatile“ bedeutet ungefähr so viel wie „vielseitig, geschickt“ – es ist also eine „Auszeichnung für einen tüchtigen Blogger“ – ich fühle mich sehr geehrt! Danke, Fay!

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Da die Blogosphäre ihre eigenen Regeln hat, bedeutet diese Nominierung, wenn ich sie annehme – was ich hiermit tue – dass ich die Auszeichnung auch gleich gewonnen habe! So einfach geht das in der Bloggerwelt! Und was passiert jetzt? Äh – nichts weiter. Außer dass die Bedingung, unter der ich die Auszeichnung annehmen darf, ist, dass ich sieben Dinge von mir selbst erzähle und einige weitere Blogs für diese Auszeichnung nominiere, die ich gut finde… Oh je, sieben Dinge – Ihr wisst doch eh schon alles über mich… wir probieren´s trotzdem mal und langweilen Euch mit Sachen, die Ihr gar nicht wissen müsstet, um auch so ganz hervorragend weiterzuleben:

  1. Ich wurde in dem kleinen Dörfchen Ottenbach, Kreis Göppingen, auf der Schwäbischen Alb geboren. Idyllisch, und sehr ruhig. Im Nachbarort Waldstetten, wo mein älterer Bruder zur Welt kam (ich habe vier davon), geht´s lebhafter zu: Waldstetten ist die Gemeinde mit den meisten Vereinen Deutschlands pro Kopf – ca. 70 bei ca. 7000 Einwohnern! Und jeder Einwohner ist Mitglied in mindestens 25 von ihnen – oder so – meine ich mal gelesen zu haben…
  2. Bei uns im Flur hängt eine nackte Frau. Also, eine Kohlezeichnung einer nackten Frau, die von der Trägerin des „Versatile Blogger Awards“ im Aktzeichnenkurs selbst angefertigt wurde und die sie (und vielleicht nur sie) für sehr gelungen hält. Dafür erntet sie von den Handwerkern, die die Spülmaschine reparieren sollen, schon mal erstaunte bzw. anzügliche Blicke – und diese Frau ist ein Grund unter vielen, weshalb meine Kinder ihre Mama manchmal unerträglich peinlich finden…
  3. Ich bin eher eine „Fliegerin“ im Gegensatz zu vielen anderen, die „Taucher“ sind. Was das heißen soll? „Taucher“ sind diejenigen, die im Alter von acht Jahren beschließen, Konzertpianistin/Experte für spätmittelalterliche Buchmalerei/Arktisforscher, etc. zu werden und die dieses Ziel konsequent verfolgen. „Flieger“ sind die, die vieles im Leben ausprobieren, und die ganz typischerweise auch verschiedene berufliche Standbeine haben. „Vielbegabt“ nennt man uns mittlerweile in Fachkreisen, weil es uns leicht fällt, uns in alles mögliche einzuarbeiten – andere Zungen behaupten, wir hätten nur eine niedrige Frustrationstoleranz, was uns aber nicht davon abhält, uns weiter ständig für neue Dinge zu begeistern… Wir können nicht anders. Ansonsten würden wir das Leben für ein Gefängnis halten. Und von wegen niedrige Frustrationstoleranz!! Ich wüsste nicht, was ich stärker durch ME/CFS gelernt hätte als Frustrationen auszuhalten und an Sachen dranzubleiben, auch wenn sie schwerfallen! (Stichwort Meditation…).
  4. Hängt mit 3. zusammen: Ich bin total neugierig. Neu-gierig – deswegen passt mein Beruf als Journalistin sehr gut zu mir. Ich halte mir allerdings zugute, dass es überhaupt nicht Klatsch und Tratsch sind, die mich interessieren, sondern die ganze, große Welt da draußen! Und was sie im Innersten zusammenhält…
  5. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht neue Rezepte ausprobiere. Jeden Samstag Morgen hole ich mir die aktuellsten Tim-Mälzer-Kochheftchen her oder diverse Kochbücher wie Deliciously Ella und mache voller Vorfreude einen Kochplan für die gesamte nächste Woche, mit dem ich dann zum Einkaufen ziehe (und an den ich mich dann natürlich nicht halte…) „Kannst du nicht mal wieder was kochen, was wir schon kennen?“ – diese Beschwerde meiner Kinder habe ich schon oft gehört. Aber wer den Plan macht, hat die Macht. Außerdem genieße ich das Handwerkliche, das Schnippeln, Rühren, Brutzeln am Kochen…  Und ich liebe meine Gewürze! (Hatte ich erwähnt, dass ich das Essen daran auch gut finde?)
  6. Während meines Studiums habe ich ein halbes Jahr lang in Wales studiert (DAAD-Stipendium) und dieses Land mit seinen magischen Küsten, seinen total liebenswürdigen Einwohnern und seinen „Welsh Cakes“ lieben gelernt. Wir haben noch Freunde in Cardiff, die wir ab und zu sehen, was mich sehr freut.
  7. In meiner Schreibtischschublade finden sich zwei vergilbte Zettel, die schon seit 35 Jahren dort liegen und jeden Umzug mitgemacht haben. Auf dem einen steht: „Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen!“ (Augustinus) und auf dem anderen: „Großer Gott, lass auch meine Seele zur Reife kommen, bevor du erntest.“ (Selma Lagerlöf).                                                                  Jetzt wisst Ihr also zwei Herzenswünsche von mir. Ich mache mir keine Sorgen, dass meine Ende nahe sein könnte, denn zu tanzen habe ich gerade erst angefangen … und bis diese Seele reif ist – das dauert noch…

 

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Nun zu den Blogs, die ich toll finde: Natürlich den Blog von Fay, die wunderschöne aquarellierte Tuschezeichnungen mit viel Können, Liebe und Herz anfertigt:  madebyfay

Sie hat ja schon den gleichen Award, deswegen kann ich sie nicht mehr nominieren. Aber dafür nominiere ich…

1. Claudia, die ME/CFS hat wie ich, die aber die Kunst beherrscht des  zufrieden leben mit kleinen schritten  – bewundernswert!

2. Angela, die ebenfalls ME hat und die unglaublich kreativ damit umgeht: Die MEmi-Philosophie

3. Lukas, der Krebs überstanden hat, und uns jetzt an seinen Einsichten, die er gewonnen hat, teilnehmen lässt: Mindful Survivor

4. Die wilde Susie, die Brustkrebs hatte und jetzt ihr Leben wieder in vollen Zügen genießt: Susie Lindau´s Wild Ride

Daneben gibt´s natürlich auch tolle Blogs, die gar nichts mit Krankheiten zu tun haben:

5. Immer wieder lache ich mich schlapp über die Beiträge von Karo-Tina Aldente, die es schafft, interessante Rezepte mit witzigen Geschichten aus ihrem Schrebergarten-Alltag zu verbinden (und der ist aufregender, als das jetzt klingen mag!)

oder bin ich berührt von

6. Julias Posts in Freudenwege, die in kurzen, knappen Beiträgen (wie macht sie das nur?) ganz viel Tiefsinniges unterbringt und die einem die Schönheiten des Alltags aufzeigt… immer mit gelungenen Fotos!

7. Ein Neuzugang in meiner Blog-Bibliothek ist Robert, den ich dafür bewundere, wie er beim Aquarellieren mit Licht und Schatten umgehen kann, besonders bei seinen Akten: Watercolor Atelier

8. Immer wieder gerne schaue ich auch bei der jungen Designerin Danielle vorbei: di design und auch beim einzigen Musik-Blog auf dieser Liste, dem ich einige Neuentdeckungen verdanke:

9. Call Me Appetite aus der Schweiz

Zum guten Schluss, auch wenn sein Blog noch relativ jung ist:

10. Tilman von Ich – Lass es raus…, der in knappen Worten mit wunderbaren Fotos überzeugt.

Hier ist übrigens der Link zu den Teilnahmebedingungen: Versatile Blogger Award – Rules .

Gibt´s denn diesmal auch Spaßprogramm? Ja, klar – einen Buchtipp! Leute, das müsst Ihr lesen oder anhören:  „Es ist nur eine Phase, Hase – ein Trostbuch für Alterspubertierende“ von Maxim Leo und Jochen Gutsch, zwei preisgekrönten Journalisten, die ihre eigene Altersgruppe (frischgebackene 50er)  – und damit auch die meine – unter die Lupe genommen haben und deren absonderliche Aktivitäten beschreiben… Kostprobe gefällig? Unter dem Stichwort „Wurstpellen-Mann“ heißt es:

„Als mein Freund Stefan bei einem gemeinsamen Abendessen verkündete, nächstes Jahr laufe er einen Marathon, sagte ich spontan: „Ich auch!“

Vielleicht war es der Alkohol. Aber ich fand die Idee irgendwie gut. Es war eine Herausforderung, und was braucht ein Mann in meinem Alter? Genau.

Meine Frau sagte: „Warum muss es denn gleich ein Marathon sein?“

Gute Frage. Aber ich hörte sie kaum noch, denn ich zog bereits durch die Sportgeschäfte, um mich auszustatten. Ich kaufte Laufschuhe mit verstärkter Sohle und Lunarlon-Dämpfung, eine Laufuhr mit Pulsmesser und GPS, Laufsocken mit Achillessehnenprotektion und eine extrem enganliegende Laufhose mit klimaregulierender CCR-Technologie. Auch wenn ich nicht wusste, warum in meiner Hose ein Klima reguliert werden musste. …“

Frauen kommen auch nicht besser weg – ein Buch für alle also. Auch für Jüngere oder Ältere, wie die Rezensionen im Internet beweisen… Viel Spaß!!

 

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Ich wünsche Euch, dass Ihr die kommende Schönwetterperiode in vollen Zügen genießen könnt! Beim Joggen mit und ohne klimaregulierter Laufhose, beim Gärtnern, oder, wenn die Kraft für solche Dinge nicht reicht, beim In-der-Sonne-Sitzen und Eis essen… oder wenn nicht einmal das möglich ist (viele ME-Kranke sind sehr lichtempfindlich), wenigstens beim Eis essen… (Eis geht immer, oder?)

 

„Hast du gehört? Der Winter ist vorbei! Nelken und Basilikum platzen vor Lachen.“

– Rumi, „Die Musik, die wir sind“ –